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FC Bayern: Finale dahoam! - SPIEGEL ONLINE

"Das wird ein Nervenkitzelspiel": Nach dem 0:0 in Leipzig und der vertagten Meister-Entscheidung sind sie beim FC Bayern nachdenklich. Niko Kovac kann nun gegen seinen Ex-Klub den Titel holen - oder verspielen.

Bayerns Niko Kovac kämpft um seine erste Meisterschaft als Trainer - und sein Standing in München

Bayerns Niko Kovac kämpft um seine erste Meisterschaft als Trainer - und sein Standing in München


Eine halbe Stunde nach Abpfiff des 0:0 bei RB Leipzig hatte auch Uli Hoeneß noch einen Kurzauftritt, einen äußerst unterhaltsamen. Der Präsident des FC Bayern war anders als der noch geparkte Mannschaftsbus neben ihm mächtig in Fahrt und dabei im Belehrungsmodus unterwegs. "Ihr seid ja immer so negativ", blaffte er die Reporter vor ihm an, schließlich bringe die Presse doch immer so viel Unruhe von außen herein.

Als es um die Frage nach einem möglichen Interesse der Bayern an Leipzigs Stürmer Timo Werner ging, erklärte er: "Ihr macht immer Nebenkriegsschauplätze auf, wenn bald ein Schäferhund einen Ordner beißt, dann ist das wichtiger als ein Fußballspiel, das müsst ihr euch abgewöhnen." Und schließlich tobte er, dass der aberkannte Treffer von Leon Goretzka nach Videobeweis "der Witz des Jahres gewesen" sei. Diese Wahrnehmung hatte er aber exklusiv.

Das sind die Bayern nicht mehr gewohnt

Das Gebaren von Uli Hoeneß zeigte einfach nur (so sehr er auch beteuern mochte, dass er "die nächsten sieben Nächte ganz ruhig schlafen" werde): Bei ihm liegen die Nerven doch ein wenig blank nach diesem torlosen Unentschieden in Leipzig. Nach einem Spiel, das sich die Bayern wahrlich anders vorgestellt hatten. Ein 0:0 und die Vertagung der Meisterschaft auf den letzten Spieltag, das stand so nicht im Plan.

Überzeugt waren sie gewesen vom vorzeitigen Titelgewinn. Feiern mit den Fans im Gästeblock. Entspannt nach München fliegen, abends vielleicht noch gemeinsam schön zum Essen gehen. Eine entspannte Woche verbringen. Mit uneinholbaren vier Punkten Vorsprung auf Dortmund in den letzten Spieltag gehen, wie die letzten Jahre das Saisonfinale als gemütliches Schaulaufen über die Bühne bringen, ihren scheidenden Altstars Franck Ribéry und Arjen Robben als Teil der Startelf einen würdigen Abschied bescheren. Doch in diesem Jahr ist auf einmal alles anders. Plötzlich fällt die Entscheidung wieder an einem letzten Spieltag. So etwas sind die Bayern gar nicht mehr gewohnt.

"Wir hätten uns das gerne gespart", meinte Niklas Süle leicht zerknirscht, während auch Torwart Sven Ulreich nachdenklich wirkte: "So haben wir uns das nicht gewünscht. Wir hätten es gerne frühzeitig entschieden." Sprach's und kreierte eine schöne, aber zutreffende Wortschöpfung: "Jetzt wird es gegen Frankfurt ein Nervenkitzelspiel." Oder auch: Seit dem Champions-League-Endspiel 2012 gegen Chelsea das erste Finale dahoam.

Viel Zeit zum Grübeln

Man spürte, wie sehr die Spieler versuchten, gleich nach Abpfiff eine mögliche Nervosität von vornherein kleinzureden, keine Unruhe aufkommen zu lassen. Die Woche ist lang, da ist zwar viel Zeit, sich richtig auf den kommenden Gegner einzustellen. Aber möglicherweise auch Zeit, um das Grübeln anzufangen. Über das Spiel in Nürnberg etwa vor zwei Wochen, als sie beim 1:1 jene zwei Punkte liegen ließen, mit denen sie schon jetzt die Meisterfeiertrikots hätten überziehen können. Oder über vergebene Chancen von Serge Gnabry und Robert Lewandowski in Leipzig.

Natürlich würde ein Unentschieden daheim schon zum Titel reichen, bei einer Differenz von zwei Punkten und 17 Toren gegenüber Dortmund. Und natürlich muss der BVB erst einmal in Mönchengladbach gewinnen. Und doch wird es die große Aufgabe von Niko Kovac in der kommenden Woche sein, nicht nur die richtige Taktik für kommenden Samstag zu finden. Volle Kapelle nach vorne? Oder doch, bei Kovac eher zu vermuten, dosiert offensiv und offensichtlich defensiv?

Erstmals seit 19 Jahren wieder Meister vor eigenem Publikum?

Vor allem muss es ihm aber gelingen, die Stimmungslage bei den Spielern richtig zu kanalisieren. Irgendwo zwischen aufkommender Verunsicherung angesichts vergebener Matchbälle und einem doch noch drohenden Platz zwei - und euphorischer Vorfreude auf die Party zu Hause, wäre es doch das erste Mal seit 19 Jahren, dass sich die Bayern wieder vor heimischer Kulisse die Meisterschaft sichern.

Wie letztmals im Mai 2000, als Leverkusen in Unterhaching verlor und man zu Hause gegen Bremen gewann. Damals noch im alten Olympiastadion.

So wäre es auch für Thomas Müller, der zu jener Zeit noch als zehnjähriger Bub beim Heimatverein TSV Pähl kickte, eine Premiere: Meister werden daheim in der Arena. "Wir wollen unbedingt das Ding mit unseren Fans im Rücken. Wir können jetzt schön rumreden, wir haben nächste Woche nochmal ein absolutes Finale, da zählt es dann." Kovac kündigte indes bereits an, das Trainingsgelände an der Säbener Straße abzuriegeln und die Mannschaft abzuschotten. "Sie können sich sicher sein, dass wir keinen reinlassen werden."

Gleichzeitig war er sich natürlich der Pointe bewusst, dass seine Bayern nun ausgerechnet gegen Eintracht Frankfurt die Schale holen könnten. "Das Leben schreibt die schönsten Geschichten", schmunzelte Kovac. "Gegen den alten Klub die Meisterschaft zu erreichen, wird nicht einfach, aber wenn es ein Happy End gibt, dann kann ich damit leben, dass ich noch eine Woche warten muss." Dass ihm ausgerechnet seine alte Eintracht die Meisterschaft vielleicht vermasseln könnte, daran wollte Kovac lieber nicht denken.

Eine Woche später kehrt er nach Berlin zurück. An den Ort, an dem er vor einem Jahr mit Frankfurt die Bayern bezwang. Diesmal geht es im Pokalfinale gegen Leipzig, möglich, dass er dann seine erste Saison bei den Bayern mit dem Double beendet. Oder mit nur einem Titel. Oder gar mit keinem.

Für den FC Bayern stehen die beiden bedeutendsten Spiele der Saison an, nichts ist gerade wichtiger. Es sei denn, ein Schäferhund beißt doch noch einen Ordner.

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https://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-beim-fc-bayern-sind-die-nerven-nun-angespannt-a-1266978.html

2019-05-12 06:01:00Z
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